Poesie junger Flüchtlinge: Meine Augen haben die Farben des Unglücks gesehen

Manche waren noch Kinder, und doch wurden sie von ihren Eltern allein auf eine lebensgefährliche Reise geschickt. In Gedichten schildern junge Flüchtlinge aus Afghanistan und Iran ihre Erlebnisse, ihren Schmerz.

2016-05-17 13:17:32 | Kategorie » Nachrichten Aktuell

Poesie junger Flüchtlinge: Meine Augen haben die Farben des Unglücks gesehen
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In der östlichen Welt gelten Gedichte als das kollektive Gedächtnis der Völker, die Verse werden von den Älteren an die Kinder weitergegeben und so ist Poesie eine vertraute Form. Im Berliner Kunstraum "BOX Freiraum" findet seit fünf Monaten ein Poetry-Workshop mit 14- bis 18-jährigen Geflüchteten statt, die sich allein nach Europa durchgeschlagen haben.

In ihren Gedichten beschreiben die Jugendlichen den Verlust der Heimat, die Gewalt, die ihnen begegnet ist, den Krieg und ihren Blick auf uns, die Deutschen und unser Land. SPIEGEL ONLINE zeigt eine Auswahl. Weitere Gedichte finden Sie in der Digital-Ausgabe des aktuellen SPIEGEL.

Im Berliner Kunstraum " BOX Freiraum" findet seit fünf Monaten ein Poetry-Workshop mit 14- bis 18-jährigen Geflüchteten statt, die sich allein nach Europa durchgeschlagen haben.

Da die Jugendlichen noch minderjährig sind, zeigen wir ihre Gesichter nicht. In ihren Gedichten beschreiben die Jungen den Verlust der Heimat und der Familie, die Gewalt, die ihnen begegnet ist, und ihren Blick auf uns, die Deutschen und unser Land.

Die meisten der Jungen werden gezielt losgeschickt, damit sie in der Ferne ein besseres Leben finden und später möglichst die Familie unterstützen können.

Schreibende Poetinnen gibt es unter den Teilnehmenden nicht, die Eltern erlauben ihren Töchtern die lebensgefährliche Flucht nicht.

"Die Familie sagte, ich solle weg, und Mutter flüsterte beim Abschied: “Mein Leben hier ist zu Ende, 40 Jahre Krieg und Zerstörung, geh, finde woanders etwas Gutes." Kahel Kaschmiri, 15, Ghazni, Afghanistan, darüber, warum ihn die Eltern fortschickten

Das Projekt, in dem die Jugendlichen ihre Gefühle, ihre Ängste und Sehnsüchte ausdrücken, entstand im Berliner Kunstraum Box-Freiraum.

Seit fünf Monaten treffen sich die jungen Poeten dort wöchentlich mit ihren Mentoren, dem Rechtsanwalt Aarash D. Spanta, dem ehemaligen Uno-Offizier Andreas Jödecke und der SPIEGEL-Redakteurin Susanne Koelbl, zum Schreiben. Im Rahmen des Workshops wurde die Ausstellung PeaceInWar erstellt, die künstlerische Konzeption lag bei rottkay Consulting.

Ich wollte gehen, und ich blieb.
Ich wollte bleiben, ich ging.
Nicht das Gehen war wichtig, und nicht das Bleiben.
Ich war wichtig, der ich nicht existierte.

Gleich, wieviel ich älter werde, wie erwachsen ich sein werde, wenn ich unruhig bin und voller Sorge, wünschte ich die Mutter an der Seite.

Aber ich bin hoffnungslos, was die Welt angeht.

Wenn ich sage, Frauen,
Dann meine ich echte Frauen,
Diejenigen mit Brauen, Nase und Schultern.
Die von Beginn an nur sich selbst gehören.
Die nicht selbstsüchtig sind und stolz auf ihre Gaben.
Die sich in ihrer einfachen Schlichtheit lieben
und nur sie selbst sein wollen
und keiner anderen ähneln.
Diese Frauen meine ich, wenn ich sage Frauen.

Das Licht in ihrem Blick ist wie der Duft ihres Parfums Kobako.
Ihre wohlwollende Hand ist unvergleichlich wertvoll.
Die Weisheit scheint unter ihrer Schminke hervor.
In Schönheit schreitet sie in der Öffentlichkeit.
Der wässrige Mund der Gaffer ist ihr gleich.
Die selbstbewusste, starke Frau verfolgt ihre Gaben und Talente,
Einige Frauen bleiben zuhause, sie lösen sich auf und werden zu Wasser.
Und diejenigen, die rausgehen, werden zu Brot und Speisen.
Und wenn ich sage Frauen, meine ich diese Frauen.

Poetinnen gibt es unter den Teilnehmenden nicht, die Eltern erlauben ihren Töchtern die Flucht nicht. Die meisten Jungen werden dagegen gezielt losgeschickt, damit sie hier ein besseres Leben finden und später möglichst die Familie unterstützen.

Erstmals öffentlich tragen die Jugendlichen ihre Werke im Abendprogramm der akademisch-künstlerischen Konferenz Thinking beyond "Crises", in Berlin vor, am b17. Mai 2016/b,b /bgemeinsam mit den Schauspielerinnen Mira Wichers und Julia Huston.

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